Wald Schweiz, Verband der Waldeigentümer

Medienmitteilung vom 18. Januar 2018

 

 

Stürmische Zeiten für Waldeigentümer

 

 

 

 

Der Sturm Burglind vom 3.1.2018 warf schweizweit 1.3 Millionen Kubikmeter Holz zu Boden. Das ist ein Viertel der jährlichen Holzernte und ein Zehntel der Menge von Sturm Lothar. Die Waldeigentümer können den ungeplanten Holzanfall bewältigen und über ihre üblichen Absatzkanäle vermarkten. Die Aufräumarbeiten sind indessen aufwändig und kostspielig, es bleibt noch sehr viel zu tun. Eine ausgezeichnete und anspruchsvolle Arbeit leistet derzeit das Forstpersonal.

 

Inzwischen ist das Ausmass der Waldschäden nach Sturm Burglind eingeordnet: gemäss Umfragen bei den Kantonsforstdiensten und den kantonalen Waldeigentümerverbänden beträgt die zu Boden geworfene Menge Holz insgesamt rund 1,3 Millionen Kubikmeter. Dies entspricht einem Viertel einer durchschnittlichen Jahresnutzung und rund einem Zehntel der Schäden nach Sturm Lothar (1999). Weiteres Sturmholz ist nach den Föhnstürmen und dem Sturm «Evi» in den vergangenen Tagen angefallen, zudem werden wohl noch viele geschwächte Bäume zusätzlich gefällt werden müssen.

 

 

Die Waldeigentümer sehen sich in der Lage, diese Mengen zu bewältigen und sie sind flexibel genug, das Holzangebot der Nachfrage auf dem Holzmarkt und den spezifischen Kundenbedürfnissen anzupassen. Daher einigten sich Waldbesitzer und die Holzwirtschaft an der Schweizerischen Holzmarktkommission vom 16.1.2018 auf die Aufrechterhaltung des aktuellen Holzpreisniveaus, wie in deren Medienmitteilung von heute Vormittag berichtet wird. Die Räumungen, Verhinderung von Folgeschäden, Wiederaufforstungen und Waldpflegemassnahmen werden den Forst indessen noch Monate und Jahre beschäftigen.

 

Ein Kränzchen dem Forstpersonal im Wald!

Der prompte Einsatz der Forstbetriebe und Forstunternehmer nach dem Sturm war aus Sicht von WaldSchweiz beeindruckend. Viele Forstprofis engagieren sich gleichzeitig in den örtlichen freiwilligen Feuerwehren, Gemeindebetrieben oder Zivilschutzorganisationen; sie standen mit ihren Fachfertigkeiten quasi von der ersten Stunde an voll im Einsatz. Ganze Forstequipen brachen danach ihre Ferien ab, um Strassen zu räumen und akute Gefahren zu beseitigen. Die Förster nahmen rasch Situationsanalysen vor und erstellten in Zusammenarbeit mit Forstunternehmern Einsatzpläne für die dringenden Räumungs-arbeiten. Markus Brunner, Direktor von WaldSchweiz, stellt der Branche ein hervorragendes Zeugnis aus: «Unsere Leute haben rasch, professionell und besonnen reagiert. Bestens ausgebildete und gut organisierte Profis haben gezeigt, zu was die Branche in der Lage ist. Prioritäten wurden richtig gesetzt; stets an oberster Stelle stand die Arbeitssicherheit!».

 

Aufräumen, aufforsten oder liegenlassen: umsichtige Entscheide sind gefragt

Nach den mit Bravour erledigten Sofortmassnahmen benötigen die Forstleute nun noch einen langen Atem. Die Streuschäden verteilen sich, wie der Name sagt, über ungezählte Schadenplätze. Im liegenden und halb gefällten Durcheinander lauern viele und grosse Gefahren. Jede Situation muss individuell und fachmännisch beurteilt und mit grösster Vorsicht beseitigt werden. Die tragisch hohen Unfallzahlen nach dem Sturm Lothar bestätigen, dass das Aufräumen von Sturmholz für Laien oft tödlich oder mit schweren Verletzungen enden kann. Aber auch das Profi-Forstpersonal arbeitet nicht täglich im Sturmholz und muss nun besonders konzentriert zu Werke gehen. WaldSchweiz und die kantonalen Ausbildungsverantwortlichen haben daher unverzüglich spezifische Kurse für ausgebildetes Forstpersonal organisiert. Bereits diese Woche haben viele Forstprofis entsprechende Tageskurse besucht, weitere werden folgen.

 

 

Sicheres Aufarbeiten von Sturmholz ist aufwändig und kostet mehr als die «normale» Holzernte, wo viel geplanter, effizienter und sicherer gearbeitet werden kann. Auch muss das Sturmholz sorgfältig sortiert werden, damit qualitativ hochwertiges Holz nicht im Ofen oder beschädigtes Holz nicht im Sägewerk landet. Die Waldeigentümer haben beträchtliche Mehrkosten und auch Ertragseinbussen in einem ohnehin kaum rentablen Geschäft. Einmal mehr sei daran erinnert, dass der Holzhandel keinen «Grenzschutz» kennt und die Holzpreise unter starkem internationalen Druck stehen. Trotzdem gilt es, bis zum Frühjahr zumindest das Nadelholz wegzuräumen, um eine massenhafte Ausbreitung von Borken-käfern zu verhindern. Aber auch Pragmatismus ist gefragt: insbesondere vereinzelte umgeworfene Laubbäume dürften da und dort einfach liegen gelassen werden. Verrottende Stämme gehören zum natürlichen Kreislauf und bilden die Lebensgrundlage für viele Kleintiere und holzabbauende Pilze. Ökonomische und ökologische Überlegungen lassen sich hier gut kombinieren.

 

Jungwaldpflege und Wiederaufforstung: wirtschaftliche Nachhaltigkeit wichtig

Sind die Sturmflächen einmal geräumt, werden viele Lichtungen entstehen, um welche sich die Waldeigentümer ebenfalls kümmern müssen. Vielerorts kommt dann die allgemein übliche Naturverjüngung zum Zuge. Das heisst, es werden diejenigen Bäume gefördert, die dort bereits unter den alten Bäumen nachgewachsen sind, oder welche nun von selbst keimen und zum erwünschten Waldbild passen. Auf grösseren Sturmflächen, wo auch der Jungwuchs zu Schaden kam, oder wo drohende Brombeerinvasionen diesen am Aufwachsen hindern, wird gezielt mit Baumsetzlingen nachgeholfen, um eine rasche Wiederaufforstung zu erreichen. Im Wirtschaftswald wird dabei jeweils auf einen Mix aus Baumarten gesetzt, welche natürlicherweise zum Standort passen und dort auch mit dem Klimawandel zurechtkommen, und welche dereinst gut verkauft werden können. Schliesslich leistet die Produktion von wirtschaftlich interessantem Holz einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der Umwelt- und Ressourcenpolitik von Bund und Kantonen.

 

 

Die jungen Wälder auf den verstreuten Sturmflächen müssen noch etliche Jahre gepflegt werden – auch dann noch, wenn «Burglind» für viele vergessen und nur noch ein altertümlicher Name ist.